Visionen dürfen „spinnert“ sein - Warum Zukunftsbilder im Beratungsprozess so kraftvoll sind

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Stillstand ist eine Option – allerdings selten die der ersten Wahl. Wer sich ein erfülltes, stimmiges Leben wünscht, braucht aussagekräftige, bunte Bilder davon, wie es aussehen könnte. Gerade in turbulenten Zeiten hilft es sehr, über die aktuelle Situation hinauszudenken – ins Mögliche, ins Wünschenswerte, und ja, auch ins „Spinnerte" . In der Beratung unserer Klient:innen kann ein solches Zukunftsbild zum wegweisenden Kompass für Veränderung und Entwicklung werden.

„Das ist doch unrealistisch!" – Wenn Ideen zu früh bewertet werden

Viele Klient:innen bringen eine Idee mit in die Beratung. Eine, die sie fasziniert, hibbelig macht, etwas, was sie leise oder laut begeistert. Es ist noch nicht zu Ende gedacht, noch nicht ausgereift, manchmal auch etwas verrückt – aber es lebt.

Und dann? Dann übernimmt die innere kritische Zensur das Zepter:
„Wie soll das denn gehen? Das ist doch nicht umsetzbar!"
„Sei realistisch, sonst wirst du enttäuscht."

Was als zarte Idee begonnen hat, zieht sich enttäuscht zurück. Schade – denn gerade in der frühen Phase geht es bei weitem und noch lange nicht um Realismus, sondern um das Erkunden von Möglichkeiten. Visionen brauchen Raum, bevor sie sich der Realität stellen.

Müssen Visionen realistisch sein?

Nein – zumindest nicht am Anfang. Visionen dürfen groß, mutig, manchmal auch utopisch sein. In der Beratung geht es oft darum, den Raum zu schaffen, in dem geträumt, gewünscht und ausprobiert werden darf. Dieser Raum ist nicht weltfremd, sondern notwendig, um neue Perspektiven zu eröffnen. Erst im weiteren Prozess darf sichtbar werden, was tragfähig und umsetzbar ist – doch ohne das ursprüngliche Bild gäbe es oft gar keinen Impuls zur Veränderung.

Warum Zukunftsbilder so hilfreich sind

Zukunftsbilder unterscheiden sich von konkreten Plänen. Sie funktionieren wie ein innerer Leitstern: Sie zeigen eine Richtung, erzeugen emotionale Resonanz und machen spürbar, wie ein gelingendes Leben aussehen könnte.

Besonders in Zeiten von Ungewissheit und Umbruch geben solche Bilder Orientierung und Halt – nicht, weil sie konkrete Antworten liefern, sondern weil sie Sinn stiften und Handlungsspielräume eröffnen.

In der Beratung sind sie hilfreich, um:

  • eigene Bedürfnisse zu erkennen: Was brauche ich wirklich?
  • Wünsche und Sehnsüchte ernst zu nehmen: Was darf wachsen?
  • Ziele zu benennen, die vor innerer Motivation funkeln.
  • Klarheit zu gewinnen, wofür es sich lohnt, Energie zu investieren.

Veränderungsbereitschaft entsteht aus innerer Stimmigkeit

Veränderung passiert nicht, weil jemand sagt: „Du musst dich verändern!" – sondern, weil das Innere spürt: Da geht noch mehr. Wenn Klient:innen in der Beratung ein kraftvolles Zukunftsbild entwickeln, entsteht daraus oft eine natürliche Bereitschaft, den ersten Schritt zu tun. Und das ist schließlich unser Bestreben, als Beratende und Begleitende: unsere Klient:innen dabei zu bestärken, bei dieser ersten Bewegung „Hin zu" .

Zukunft beginnt jetzt

Die Zukunft ist nicht irgendwann. Sie beginnt jetzt. Jeder neue Gedanke, jede Entscheidung, jeder Schritt in eine neue Richtung ist Teil dieser Zukunft. In der Beratung unterstützen wir Klient:innen dabei, diesen Prozess bewusst zu gestalten. Dabei ist Veränderungsbereitschaft keine fixe Eigenschaft, sondern eine Haltung, die sich entwickeln lässt – durch Selbstreflexion, durch Stärkung der Selbstwirksamkeit und durch Vertrauen in die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten.

  • Wie sieht mein Leben aus, wenn es mir gut geht?
  • Was tue ich, mit wem bin ich zusammen, wie fühle ich mich?
  • Welche Aspekte meines heutigen Lebens möchte ich mitnehmen – was darf sich verändern?

Solche Übungen aktivieren Ressourcen, machen persönliche Werte sichtbar und zeigen Wege auf, wie aus Wünschen konkrete Möglichkeiten entstehen. Der Fokus liegt dabei nicht auf „Was ist realistisch?", sondern auf: Was ist stimmig, lebendig und sinnvoll für mich?

Ein Zukunftsbild ist kein Bauplan, sondern ein Impuls. Es darf übertrieben, verspielt, idealisiert sein – wenn es berührt und bewegt, erfüllt es seinen Zweck. In der Lebens- und Sozialberatung sind solche Bilder wertvolle Werkzeuge: Sie öffnen Räume, in denen Klient:innen sich mit ihren Ressourcen und Potenzialen verbinden können.

Und manchmal reicht eine einzige Frage, um den ersten Schritt zu setzen: Welches Leben möchte von dir noch gelebt werden?

Über die Autorin Sabine Huber-Wynnyczenko, MSc.

Sabine ist erfahrene HR-Beraterin, Coach, Supervisorin und Trainerin mit über 30 Jahren Berufserfahrung. Sie verbindet fundiertes HR- und Organisationswissen mit Klarheit, Kreativität und einer lösungsorientierten Arbeitsweise. Ihr Fokus: Komplexität strukturieren, neue Perspektiven eröffnen und Menschen und Organisationen ins Tun bringen. Dabei begleitet sie ihre Kund mit Offenheit, Humor, Pragmatismus und viel Freude an Veränderung.

https://sabinehuber.at/ 

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